#13 Achtsames Denken

Text von Elke Leithner-Steiner

Licht der Lianenfrau - Weibliche Kraft leben - Malerei Ausdruck von  Emotion mit Licht, Farbe und Form. Acryl auf Leinwand 70x100 cm birgitneururer.com
Kunst von Birgit Neururer

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Innere Kritik

Während ich noch wach im Bett liege, fällt mir auf, dass ich immer mehr zur Beobachterin oder vielmehr Erforscherin nicht nur meiner Emotionen, sondern auch meiner Gedanken werde. „Ich bin mir selbst auf der Spur“, denke ich lächelnd.

Dabei sind auch kritische, ja hartherzige Gedanken. Und das Merkwürdige daran ist: Ich nehme die oft beleidigenden Worte unkommentiert an und glaube sie auch noch!

Deshalb will ich mehr über diese Art von Gedanken wissen. Wo kommen sie her? Wie lebt es sich wohl ohne sie? Mit diesen Fragen schlafe ich schließlich ein und beginne bald darauf zu träumen …

Innere Welt

Meine Lianenfrau, wie ich dieses einzigartige, helle Wesen nenne, steht mit mir vor einem prunkvollen Gebäude. Sie strahlt so kraftvoll und positiv wie immer, sodass ich mich mit ihr sehr sicher fühle.

Da höre ich Lachen. Ein lautes, dreckiges Lachen. Es ruft mich unweigerlich zu sich. Bedauerlicherweise kommt meine Lianenfrau nicht mit. Sie nickt zwar zustimmend, rührt sich aber sonst nicht von ihrer Stelle.

Ein buckliger Diener nimmt mich am Eingang des Palastes in Empfang und geleitet mich durch hohe Räume. Wir begegnen mehreren stummen Bediensteten, die sich in auffällig devoter Haltung bewegen. Als trauten sie sich nicht, den Kopf zu heben.

Dann stehen wir in einem riesigen und von farbenprächtiger Opulenz strotzenden Raum. Einige Diener postieren sich im Hintergrund. Und vor mir sitzt auf einem thronähnlichen Stuhl ein riesenhafter Mann. Und er ist es, der da so ohrenbetäubend und hämisch lacht und das ganze Gebäude damit beherrscht.

Sein Körper biegt sich vor Lachen. Er kann gar nicht aufhören. Der laute, schrille Ton ist sehr unangenehm und in seiner Vibration tänzeln spöttisch Sätze wie: „Du bist lächerlich. Du kannst gar nichts. Was bist du für eine jämmerliche Figur. Niemand mag dich.“

Die Worte tun in den Ohren weh und in den Herzen all derer, die sich das anhören müssen. Ich fühle, wie mein Selbstwert schwindet. Vor ihm zu stehen, ist unglaublich demütigend. So rasch wie möglich, möchte ich hier wieder raus.

Aber ich fühle mich wie gelähmt und schaffe es nicht, mich weg zu bewegen. Da höre ich mitten im Lachen die klare Stimme meiner Lianenfrau: „Schau nach hinten und erkenne!“ Plötzlich kann ich durch diesen Herrscher hindurch schauen und sehe etwas weiter hinter ihm einen hageren Mann stehen.

Er hält in der Hand ein dickes Seil, welches um die Körpermitte des höhnisch Lachenden gebunden ist. Der Hagere peitscht das Seil kontinuierlich auf den Boden und treibt dadurch den sitzenden Herrscher zum Lachen an. Jetzt bemerke ich, dass er, ähnlich einer Marionette, ganz dem Willen des Anderen unterworfen ist.

Wieder höre ich die klare Stimme der Lianenfrau: „Nimm die Kerzen und durchbrenne das Seil!“ Ich blicke mich um. Tatsächlich, links von mir steht auf einer Anrichte ein brennender Kerzenleuchter. Ich nehme all meinen Mut zusammen und den Kerzenleuchter in meine Hand.

So rasch ich kann, gehe ich hinter den Stuhl und entzünde das Seil. Rasch erfasst den hageren Mann das Feuer und mit einem lauten Knall geht er in Schall und Rauch auf. Mit weitaufgerissenen Augen beobachte ich weiter, dass daraufhin das Lachen erstirbt und der Kopf des lachenden Mannes wie nach einer großen Anstrengung erschöpft auf seine Brust sinkt.

Überhaupt scheint aus seinem Körper jetzt jegliche Luft zu entweichen, denn er sackt immer mehr in sich zusammen, bis da nur mehr seine Hülle übrig ist.

Im Raum ist es ganz still geworden. Die Diener sind verschwunden. Ich bin allein. Vorsichtig blicke ich um mich. Da beginnt sich die Atmosphäre mit feinem, zartweißen Sprühnebel zu füllen. Dieser Anblick rührt mich und ich erkenne:

Die Stille ist für mich sichtbar geworden! Behutsam hüllt sie mich ein und legt sich unglaublich wohltuend auf alle Poren meiner Haut. Meine Anspannung löst sich und Erleichterung erfüllt mich nach und nach.

Plötzlich befinde ich mich in einem riesigen Becken aus glänzenden, weiß schimmernden Perlen wieder. Da war ich doch schon mal? Ich fühle mich umgeben von wahrer Pracht, über mir ein strahlend blauer Himmel.

Da höre ich meine Lianenfrau wieder sprechen: „Vergiss niemals: Du bist wertvoll. Du bist kostbar. Du bist geliebt!“

Zurück in der Realität

Als ich am Morgen erwache, lacht mir die Sonne ins Gesicht. Was für ein Traum! Ich fühle mich innerlich gestärkt und voller Freude.

Unglaublich, was sich in meinem Inneren verbirgt! Meine selbstkritischen Gedanken müssen weniger werden, am besten ganz aufhören. Das nehme ich mir fest vor.

Vergnügt springe ich aus dem Bett und in den Tag hinein.

Erkenntnis

Selbstkritik kostet Lebensenergie.

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

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