#18 Würde

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

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Die Andere

Während ich am späten Nachmittag zum Wasserfall spaziere, muss ich an meine einzige Arbeitskollegin Maria denken.

Maria ist eine tolle Frau, jünger als ich und eine sehr hübsche Erscheinung. Sie hat die Gabe, offen auf Menschen zuzugehen und herrlich zwanglos mit ihnen zu plaudern. Ich arbeite gerne mit ihr zusammen.

Irgendetwas in mir drängt mich jetzt, schneller zu gehen. Ich habe das Gefühl, dass meine Beine ein Ziel ansteuern, von dem mein Kopf noch nichts weiß. Seltsam. Da vernehme ich die vertraute Stimme der Lianenfrau, meiner lichtvollen Begleiterin: „Lass geschehen, laufe weiter. Ich bin bei dir.“

Ich blicke auf meine Füße, die immer schneller laufen. Mein Kopf scheint sich auszudehnen, wird irgendwie ganz leicht. Fliege ich etwa? …

Innere Welt

Dann stehe ich an der Türschwelle eines großen, königlichen Schlafzimmers. Mittendrin befindet sich ein stattliches Himmelbett mit schweren Seitenvorhängen. Der Raum hat riesige Fenster und verströmt neben Eleganz auch Behaglichkeit.

Ich kann niemand sehen. Es ist auch ganz still. Ich fühle, dass hier trotz der Pracht irgendetwas nicht stimmt. Die Ruhe wirkt trügerisch.

Da ändert sich die Atmosphäre. Ich bemerke, dass sich unter dem Bett eine junge Frau versteckt, gefangen in der dunklen Klangwolke des Satzes „Ich bin nicht würdig!“. Die Frau ist die Bewohnerin dieses schönen Raumes. Wieso kauert sie unter dem Bett? Und woher kommt dieser schreckliche Gedanke?

Plötzlich zeigt sich in der Wand gegenüber die Gestalt einer großen, dunkel gekleideten Frau. Sie hat ihren strengen Blick und Zeigefinger ihrer rechten Hand auf die Frau unter dem Bett gerichtet, als wollte sie sie derart festnageln.

Ihre Gesichtszüge sind auffallend hart und mit scharfer Stimme wiederholt sie immer wieder: „Du bist nicht würdig! Du bist nicht würdig! …“

Die Worte klingen wie Schmerz in meinen Ohren. Die Frau in der Wand erscheint mir wie eine böse Fee, die der Frau unter dem Bett das schöne Zuhause nicht gönnt. Ihre machtvolle, dunkle Energie von Neid und Eifersucht dominiert den Raum und verflucht seine Bewohnerin.

Ich nehme all meinen Mut zusammen und sage laut zur bösen Fee: „Ich habe dich durchschaut! Ich weiß, dass du selber hier wohnen möchtest, aber das hier ist nicht dein Platz!“ Irritiert hört sie auf zu sprechen und wendet ihren Blick nun mir zu. Wie durch ein Wunder gestärkt, halte ich auch ihrem bohrenden Blick mutig stand.

Da wird ihr Anblick bleich und immer blasser und verschwindet schließlich ganz. Übrig bleibt nur ihr am Boden liegendes, dunkles Kleid. Verwundert und misstrauisch blicke ich mich um. Wo ist sie hin verschwunden?

Dann entdecke ich sie völlig verändert. Nur mit einem weißen Unterkleid bekleidet, hockt sie, die Arme um sich geschlungen, zitternd in einer Ecke. Ihr ist kalt und sie weiß nicht, wohin. Ihr jämmerlicher Anblick rührt mich mit der Zeit. Ich verspüre ehrlich den stillen Impuls, ihr zu helfen.

Ein anderes Bild taucht vor meinem inneren Auge auf.

Ich beobachte die Frau, wie sie, nun wieder bekleidet, einer leuchtenden Spur im Wald folgt. Sie führt zu einem einfachen, schmucken Haus. Ich weiß sofort, dass sie hier zu Hause ist. Das ist genau ihr Platz! Hier gehört sie hin, verkauft Kaffee und Bananenkuchen – und ist glücklich dabei.

„Sie hat sich selbst aus dem Blick verloren durch den Vergleich mit anderen. So ist sie unzufrieden geworden.“, höre ich die weiche Stimme der Lianenfrau.

„Und die Frau im königlichen Raum?“, denke ich. Wieder sehe ich das schöne Schlafzimmer vor mir. Statt unter dem Bett sitzt jetzt eine festlich gekleidete und kunstvoll frisierte Frau vor ihrem Schminkspiegel. Sie macht sich bereit für einen offiziellen Auftritt.

Da klopft es an der Tür und eine Dienerin mahnt zum Aufbruch. Sie dreht sich zu ihr um, lächelt sie an. Und mit einem Mal flutet dieses Lächeln das ganze Zimmer mit einer Energie von strahlender Herzkraft, Güte und Souveränität.

Die Frau erhebt sich und verlässt in Begleitung ihrer Dienerin würdevoll ihr Zimmer. Sie kennt ihren Platz und ihre Rolle – sie ist die Königin der Herzen!

Zurück in der Realität

Ich höre meine festen Tritte auf dem Waldboden. Am Wasserfall angekommen, denke ich über das eben Erlebte nach:

Erneut hat sie mir mitten ins Herz geschaut, meine Lianenfrau. Sie weiß, dass auch ich nicht frei von Neid bin und hat mir ziemlich deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, meine Selbstachtung bedingt durch den Vergleich mit anderen nicht zu verlieren.

Dann kommt mir die Königin der Herzen wieder in den Sinn. Ich spüre förmlich, wie die kristalline Energie von Würde und Ansehen auch meine Wirbelsäule geschmeidig entlang fließt und mich aufrichtet!

Erkenntnis

Mein Weg ist einzigartig.

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

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Ein Gedanke zu “#18 Würde

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