#19 Urteilsfreiheit

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

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Alter Schmerz

Mit einer Freundin saß ich ganz ungezwungen auf den Stufen unserer Veranda. Wir tranken Kaffee und lachten über dieses und jenes. Es war ein schönes, vertrautes Beisammensein.

Bis die Sprache auf ihren schon vor vielen Jahren geschiedenen Mann kam.

Das färbte ihre Stimmung auf einmal mit Bitterkeit, Anschuldigungen und Selbstvorwürfen.

„Die Zeit heilt nicht immer alle Wunden“, dachte ich mir, als ich ihr zuhörte. Meine Freundin hatte sich in eine verletzte, hadernde Frau gewandelt. Ich spürte deutlich ihre Energie von negativer Anhaftung und Unfreiheit.

Obwohl schon so lange her, war sie über die Enttäuschungen nicht hinweg, sondern emotional immer noch mittendrin. Ich fragte mich, wie und ob sie diese schmerzvolle Erfahrung jemals überwinden könnte …

Das ist nun schon Stunden her. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Ich bin wieder auf die Veranda gegangen und blicke jetzt in den wunderschönen Sternenhimmel einer klaren Nacht.

Je länger ich diese Pracht des Universums betrachte, umso mehr bekomme ich das Gefühl, selbst in das Sternenzelt hineingezogen zu werden. Da schiebt sich eine weiche Hand in die meine.

Es ist die Hand meiner Lianenfrau, meiner weisen, inneren Begleiterin, die mich zu einer Sternenwanderung mitnimmt. Neugierig lasse ich mich führen.

Innere Welt

Wumm! Eine Axt donnert auf einen Holzblock nieder und spaltet ihn präzise entzwei. Es ist ein Mann, der mit höchster Konzentration von einem Stapel einen Holzblock nach dem anderen auf den Hackklotz stellt, weit ausholt und mit voller Kraft das Holz treffsicher trennt.

Gemeinsam mit meiner Lianenfrau beobachte ich aus sicherer Entfernung das Tun des Mannes, der unsere Anwesenheit nicht zu bemerken scheint. Ich frage mich, was sie mir hier zeigen will? Natürlich, sie kennt meine Gedanken, also antwortet sie mir sogleich:

„Der Mensch hat in der Vergangenheit oftmals aus der Angst heraus gelebt und als schmerzhafte Folge ,Gefühle von Aggression, Rivalität, Mangel, Alleinsein, Erfolglosigkeit usw. erlebt und sich dadurch auch auf den Körper gelegt.“

Wumm! Wieder zerbricht ein Holzstück gezielt in zwei Teile.

„Dadurch hat er sich getrennt von seinem eigentlichen Sein.“

Wumm! Das nächste Holzstück spaltet sich.

„Es gilt wieder zu einem Gefühl der Einheit, der Verbundenheit zuallererst mit sich selbst zurückzufinden. Das gelingt, wenn der Mensch sich dieses Getrenntsein in der Vergangenheit eingesteht und nicht mehr bewertet. Es gilt umzudenken zu einer urteilsfreien Haltung von „So ist es eben gewesen.“

Alte Schmerzfelder wollen geehrt werden. Der Weg heraus aus diesen schmerzvollen Energiefeldern führt über einen bewertungsfreien Umgang mit ihnen. Erst dann können sie wirklich gehen.

Wenn alte Felder, also Erinnerungen, noch weh tun, liegt darin eine Wertung. Denn das Wehtun ist eine Wertung! Aber Ehrung ist keine Wertung, sondern ein Naturgesetz.

Die Liebe ehrt die ganze Zeit! So wie das Holz nie sagt: oje, ich werde vom Feuer genommen. Und das Feuer nie sagt: oje, ich habe zu viel Holz genommen etc.

Liebe ist Ehren. Und das Ehren ist ohne Wertung!“

Der Mann hat seine Arbeit getan und sich entfernt. Neben dem Holzklotz liegt ein großer Stapel frischer Holzscheite.

Plötzlich erhebt sich wie aus dem Nichts ein starker Wind und vor mir spielt sich nun alles Weitere wie in Zeitlupe ab. Der Wind fährt in den Stapel und wirbelt ihn kräftig durcheinander.

Die vielen Holzscheite werden hoch in die Luft geschleudert, um sich dann nach und nach wieder zu einem großen, starken, intakten Baum zusammenzufügen.

Fasziniert beobachte ich diesen Wandlungsvorgang und blicke dann ebenso verwundert nach oben. Da erkenne ich, dass der Baum noch dazu in voller Blüte steht! Weiße Blüten überziehen in scheinbar fröhlichem Sein die ganze Baumkrone!

Als Nächstes steigt mir süßlicher Blütenduft in meine Nase, und in einem weiten Feld von Schönheit und Lebensfreude versinke ich in einem tiefen Gefühl der Verbundenheit mit diesem Baum.

Zurück in der Realität

Immer noch schaue ich zufrieden in den weiten Sternenhimmel. Ich weiß, dass mich die Lianenfrau auch jetzt fest an der Hand hält und mich zielstrebig im Leben weiter führt.

Da drängt es mich plötzlich, über meine Schulter zu schauen und mich quasi zu meiner Vergangenheit umzublicken. Spontan denke ich, „So ist es eben gewesen“.

In mir regt sich keine emotionale Gegenwehr. Es spürt sich neutral und dadurch auch leicht an. Da ist sogar ein zartes Gefühl von Dankbarkeit, dass ich jetzt – mit allem was bisher in meinem Leben gewesen ist – an diesen Punkt meiner persönlichen Entwicklung angelangt bin.

Erkenntnis

Verbundenheit beginnt in mir.

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

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