#01 Lichtvolle Begegnung

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Ich habe diese Geschichte noch niemand erzählt. Zu seltsam und doch so logisch erscheint sie. Zu märchenhaft und doch so wahr. Zu fantasievoll und doch so real. Zu abgehoben und doch so nah.

Also habe ich sie lange für mich behalten. Bis die Zeit selbst an meine Tür klopfte und mich eindringlich bat, die Sterne zu verteilen …

Licht der Lianenfrau - Weibliche Kraft leben - Malerei Ausdruck von  Emotion mit Licht, Farbe und Form. Acryl auf Leinwand 110x160 cm birgitneururer.com
Kunst von Birgit Neururer

Rückzugsort

Einer meiner Lieblingsplätze befindet sich an einem Wasserfall, etwas tiefer im Regenwald. Da ich am Rande unserer kleinen Stadt wohne, erreiche ich den Ort leicht nach einem kurzen Spaziergang.

Das Ufer der klaren Wasserfläche bietet mit gerundeten großen Steinen bequeme Verweilmöglichkeiten. Immer wieder sitze ich hier und höre nur dem steten Rauschen des Wassers zu oder beobachte seine rhythmischen Wellenbewegungen.

Ich liebe diesen Ort am Wasserfall. hier bin ich ganz umgeben von Natur und ihrer vitalisierenden Energie. Es ist ein so wohltuender Platz, dass es mich wundert, hier noch nie andere Menschen getroffen zu haben.

So ist es also mein ungestörter, persönlicher Kraftplatz und Rückzugsort von meinen sonstigen Rollen als liebende Ehefrau, fürsorgende Mutter, brave Tochter, gute Schwester, helfende Nachbarin, zuhörende Freundin, verlässliche Angestellte (im einzigen Wäschegeschäft unserer Stadt), tolerante Katzenhalterin oder fleißige Chorsängerin.

Schon als Kind, meint mein Vater, habe ich viele philosophische Fragen gestellt. Lebenszusammenhänge und Sinnhaftigkeiten haben mich also schon immer interessiert. Meine Fragen hören bis dato auch nie auf.

Dadurch erschwere ich mir manchmal selbst mein Leben, ich weiß. Aber ich kann nicht anders. Irgendetwas treibt mich, vieles, was für andere selbstverständlich scheint, zu hinterfragen.

So bin ich eben. Manche Antworten finde ich in Büchern, andere bei weisen Menschen meines Volkes, doch erstaunlich viele entdecke ich mit der Zeit in mir selbst.

Daher dieser geliebte Platz im Wald. Hier habe ich ausreichend Zeit und Muße, meinen Fragen nachzusinnen. So auch damals, vor vielen Jahren …

Die Lianenfrau

„Benita!“

Was war das? Irritiert hebe ich den Kopf und blicke mich erstaunt um. Da ruft jemand meinen Namen. Ich habe es ganz deutlich gehört und bin ehrlich überrascht. Wie gesagt, noch nie habe ich hier außer Vögel und vorbeiziehenden Affen Lebewesen gesehen.

„Benita!“

Abermals das Rufen! Mein Blick wandert nach oben. Tatsächlich! Im Geäst eines großen Baumes sitzt in lässiger Haltung eine weibliche Gestalt, die mir freundlich zuwinkt.

Obwohl ich dieses Geschöpf deutlich erkennen kann, scheint sie von einer zarten Transparenz, fast durchsichtig zu sein. Sie hat wenig Materielles an sich.

Misstrauisch starre ich sie anfangs an, bis mir der Gedankenimpuls „eine Lichtgestalt“ durch den Kopf fährt. Erst jetzt nehme ich ihre unglaublich sanfte und liebevolle Ausstrahlung wahr. Wie gebannt blicke ich fasziniert auf dieses Wesen.

Und je länger ich das tue, umso mehr Vertrauen fasst mein Herz zu dieser unbekannten, feinstofflichen Frau. Mit warmer Stimme spricht sie mich an:

„Ich bin gekommen, weil du mich durch deine beharrlichen Gedanken gerufen hast. Ich werde dich lehren, die Verbindung von Mensch und Natur zu begreifen und dein Bewusstsein zu vertiefen.

Dadurch wirst du dich selbst als Frau in deinem Wesenskern verstehen und viel Freude generieren. Für dich und für andere. Nenne mich deine Verbündete im Geist.“

Nochmal winkt sie mir freundlich zu, erhebt sich leichtfüßig, ergreift eine Liane und verschwindet im Dickicht des Urwaldes und somit auch meinem Blick.

Rückkehr

Wieder zu Hause drängt es mich, diesen bekannten Text von Marianne Williamson in ihrem Buch „Rückkehr zur Liebe“ zu suchen.

Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass die Worte im Buch zutiefst mit der lichtvollen Frau im Wald, die ich Lianenfrau nenne, zu tun haben und beginne zu lesen …

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind,
unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.

Wir fragen uns:
 „Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, hinreißend, begnadet und phantastisch sein darf?“
Wer bist du denn, es nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du dich zurücknimmst, damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen.

Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns: Sie ist in jedem Menschen.

Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen wollen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.

Erkenntnis

Alles ist möglich.

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

Zum Anhören als YouTube Podcast – Das Licht der Lianenfrau

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