#35 Seelenfrieden

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Das Licht der Lianenfrau - Weibliche Kraft leben - Malerei Ausdruck von  Emotion mit Licht, Farbe und Form. Acryl auf Leinwand, 10x100 cm. 
Titel: FrauSein - ZeitundJetzt
von birgitneururer.com
Kunst von Birgit Neururer

Weiterreise

Meine alte Nachbarin liegt seit einigen Tagen im Krankenhaus. Ich habe den Bus genommen, um nach ihr zu sehen. Ihre Familie wohnt weit weg. Daher bezweifle ich, dass sie oft Besuch bekommt.

Als ich ihr Zimmer mit einem kleinen Blumenstrauß betrete, blickt sie mir mit müden Augen aus ihrem Krankenbett entgegen. Schwach hebt sie ihre Hand zum Gruß, und ich ahne ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht. Dabei wird mir warm ums Herz.

Ich stelle die Blumen in eine Vase und rücke mir einen Stuhl neben das Bett. Jetzt liegt sie mit geschlossenen Augen da und scheint zu schlafen, denn auf meine Worte reagiert sie nicht. Ich nehme ihre schlaffe Hand und streichle sie.

Da öffnet sich die Tür und hereinkommt, wieder einmal zu meinem Erstaunen, meine Lianenfrau, meine allwissende Innere Verbündete. Wortlos ziehe ich fragend beide Augenbrauen hoch.

Sie nickt mir nur aufmunternd zu. Mit ihrer Ankunft verändert sich auch merklich die Energie im Raum. Das Bedrückende weicht widerstandslos einer sanften, friedlicheren Stimmung.

Sie stellt sich hinter mich und legt sachte ihre Hände auf meine Schultern. Ich blicke wieder auf meine schlafende Nachbarin. Dann geschieht etwas Seltsames.

Ich bekomme das Gefühl, als würde die liebevolle Energie meiner Lianenfrau meinen Körper erfassen. Ich schaue jetzt mit ihren Augen und ihrem Herzen auf die Kranke.

Da ist mir auch, als könnte ich plötzlich in die Innere Welt meiner Nachbarin eintauchen:

Innere Welt

Sie ist traurig, denn sie erinnert Momente, in denen sie allein und niemand da war. Es waren Momente, in denen die Einsamkeit wohlvertraut und kalt in alle Poren ihres Körpers kroch.

Wie immer beginnt sie zu frösteln, obwohl die Temperatur im Zimmer eigentlich angenehm ist.

Da taucht auf einmal ein kleines Mädchen auf, nicht älter als drei Jahre. Sie steht mutterseelenallein irgendwo auf einer Wiese im Freien. Es ist schon dunkel.

An ihrer rechten Hand baumelt ein kleiner, semmelblonder Teddybär. Die Kleine blickt unverwandt hinauf in das nächtliche Firmament.

Riesig und mächtig erscheint der weite Sternenhimmel und winzig klein fühlt sich das Mädchen. Um sie herum ist es unheimlich still.     

Verloren und ganz allein. Ganz allein und völlig verloren. Das kleine Kind weiß überhaupt nicht, wie es seiner Hilflosigkeit, seiner Einsamkeit und Angst nur entkommen kann.

Da wird ein kleiner Stern auf das Mädchen aufmerksam und zeigt Mitgefühl mit ihr. Klammheimlich verlässt er seinen hohen Platz und steigt unbemerkt zu ihr herunter.

Er breitet sich wie eine warme Decke unter ihren Füßen aus. Und als die Kleine müde zu Boden, sprich auf den Stern, sinkt und erschöpft einschläft, beugt er fürsorglich und schützend seine Spitzen über sie. So verharrt er die ganze Nacht.

Am nächsten Morgen erwacht das Kind und findet sich inmitten einer farbenfroh blühenden Wiese wieder. Die Sonne wärmt schon den Tag und Vögel zwitschern munter in der Luft.

Voller Neugierde setzt sich das Mädchen auf und bestaunt vertrauensvoll seine Umgebung. Die Nacht davor ist völlig vergessen.

All die Grashalme und Blumen ringsum sind größer und erscheinen ihm wie wohlbekannte Spielkameraden. Interessiert bestaunt die Kleine einen Marienkäfer, der über ihr Ärmchen krabbelt.

Dann einen Regenwurm, der kurz aus dem Boden hervorguckt, um sogleich wieder ins dunkle Erdreich zu verschwinden. Dann ist da ein Grashüpfer, der energiegeladen sein Können zeigt.

Es gibt hier so viel zu entdecken! Da ist so viel fröhliche Lebendigkeit! Das kleine Mädchen gluckst selig und klatscht mit seinen Händen. In ihm ist ein tiefes Gefühl von „Willkommen sein und Dazugehören“.

Da öffnet die alte Frau ihre Augen und blickt zur weißen Decke empor. Lautlos quellen Tränen der Rührung daraus hervor und nässen ihre Wangen. Ihr geschlossener Mund verzieht sich zu einem Lächeln.

Denn sie weiß: Das warme Gefühl der Zugehörigkeit hat nun unverlierbar in ihr seinen Platz gefunden.

„Jetzt kann ich gehen“, denkt sie dankbar und bald darauf schließt sie ihre Augen für immer …

Zurück in der Realität

Lautlos vergeht Minute um Minute. Ich rühre mich nicht vom Fleck. Intuitiv weiß ich, was eben geschehen ist.

Ich bin zutiefst berührt und demütig, dass ich diesen letzten Augenblicken beiwohnen durfte. Und ich fühle, dass alles gut ist.

Irgendwann stehe ich auf und hole die Krankenschwester.

Erkenntnis

Es ist nie zu spät.

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

Zum Anhören im YouTube Podcast – Das Licht der Lianenfrau

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