#09 Die Energie halten

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

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Mitleid

Unsere Nachbarin ist alt und kränklich. Sie lebt allein, ihre Kinder sind weggezogen und kommen nur gelegentlich zu Besuch. Ich schaue regelmäßig bei ihr vorbei und heute bringe ich frisch gekochte Suppe mit.

Sie liegt auf ihrem zerschlissenen Sofa, das Radio läuft viel zu laut. Als sie mich erkennt, lächelt sie müde und setzt sich schwerfällig auf. Ich drehe das Radio leiser und öffne die Fenster. Hier braucht es dringend frische Luft.

Ich setze mich zu ihr, während sie die Suppe isst und erzähle ein bisschen von meinem Alltag. Doch unvermeidlich kommt der Zeitpunkt, wo ich wieder gehen muss.

Wie jedes Mal beim Abschied beschleicht mich ein ungutes Gefühl im Magen. Ihre Einsamkeit lastet plötzlich schwer auf mir selbst. Sie tut mir einfach leid.

Mit einem tiefen Seufzer und dem Versprechen, bald wieder zu kommen, verlasse ich ihr kleines Haus.

Verschnaufpause

Daran muss ich nun denken, also ich am späten Nachmittag meine Füße im Wasserbecken baumeln lasse.

Das gleichmäßige Plätschern des Wasserfalls hier an meinem Lieblingsplatz im Wald verfehlt auch heute seine beruhigende Wirkung auf mich nicht, obwohl ein schales Restgefühl in mir geblieben ist.

Ich spüre oft, wenn es anderen nicht gut geht. Dann packt es mich selbst. Ob ich zu sensibel bin?

Da knistert es neben mir. Meine Lianenfrau hat unbemerkt an meiner Seite Platz genommen. Ihre liebevolle Ausstrahlung entspannt mich augenblicklich mehr.

Wie sehr habe ich diese lichtvolle weise Frau an meiner Seite schon ins Herz geschlossen! Wie immer durchschaut sie mich sofort, denn sie erklärt mir ohne Umschweife Folgendes:

Energiefeld

„Jeder Mensch hat um sich ein feinstoffliches Feld. Dieses Feld ist sehr mächtig.

Aber damit ein solches Feld in seiner Kraft bleibt, muss es ständig auf seinem hohen Energieniveau gehalten und genährt werden.

Es nützt niemandem, wenn du mit anderen mitleidest und dich auch schlecht fühlst.

Es geht um die Strategie, gut für dich selbst zu sorgen. Das heißt, dich ständig mit liebevoller Energie zu versorgen und dich in die Ordnung zu begeben.

So wie der Medizinmann der Ur-Zeit: Er hat nichts anderes getan, als den Ton gehalten, dass der andere darauf weiteratmet und sein Herz weiterschlägt. Das ist heilsames Mitgefühl.“

Sie zeigt mit ihrem Arm nach oben , mein Blick folgt ihrer Geste und ich sehe einen …

Innere Welt

… Kolibri, der am Nektar einer großen, roten Blüte nascht. Er ist unbekümmert, fröhlich, guter Dinge.

Da durchdringt mich die laute Frage: Woher kommt eigentlich seine Lebensfreude?

Dann scheint es, als ob das Bild im Schnelllauf zurück gespult wird, der Vogel fliegt rückwärts.

Als Nächstes ist da nur mehr die üppige Pflanzenwelt des Regenwaldes. So viele verschiedene Blattformen in so vielen unterschiedlichen Grüntönen!

Zudem die Sonnenstrahlen, die ihren Weg Richtung Erde suchen und freudvoll vom Blätterwerk aufgefangen werden. Wunderschöne Lichtschattierungen überall!

Jetzt sehe ich auch klares Wasser, erkenne die sanften Übergänge von Erde, Wasser, Luft. Alles scheint harmonisch, wie selbstverständlich verbunden, ineinandergreifend zu sein.

Die Natur als vollkommene Welt von Einheit und Eintracht. Und mittendrin zeigt sich wieder der kleine, sorglose Kolibri mit seiner eigenen Farbenpracht. Hier ist er zu Hause. Das ist seine Umgebung, seine Heimat.

Alle Energie, die den Vogel umgibt, ist ihm zugetan. Ich erkenne ganz deutlich, dass es sowohl im Außen als auch im Vogel selbst keinen Mangel gibt. Der Kolibri schwingt mit seinem natürlichen Umfeld gänzlich im Gleichklang.

Er weiß einfach, dass er bedingungslos versorgt ist, daher seine Unbekümmertheit.

Er kennt die Fülle, die ihn umgibt, daher sein Vertrauen.

Er fühlt eine tiefe Zufriedenheit in sich, daher seine Freude.

Da höre ich den Satz in mir: „Du bist geliebt!“

Augenblicklich ist mir klar, dass der Kolibri nicht nur weiß, sondern auch fühlt, wer er ist – ein geliebtes Wesen der Natur.

Und aus diesem Grundverständnis heraus lebt er sein Leben!

Da dämmert es mir: Wahre Lebensfreude generiert sich aus meinen Gedanken über mich selbst!

Zurück in der Realität

Der Kolibri ist längst weitergeflogen. Ich blicke mitten in das schöne Gesicht der Lianenfrau.

„Der Medizinmann weiß und fühlt sich genauso geliebt wie der Kolibri“, sagt sie, „daher kann er die Kraft seines Energiefeldes auch beständig halten, egal was rund um ihn geschieht.“

Dann legt sie sanft ihre rechte Hand auf mein Herz. Und ich begreife, dass mein Herz dabei eine wichtige Rolle spielt.

Als wäre sie direkt durch mich hindurchgegangen, steht sie im nächsten Augenblick schon neben einem Baum und gleich darauf sehe ich nur mehr eine sich ausschwingende Liane …

Erkenntnis

Feinstoffliche Felder sind mächtig.

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

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