#30 Dasein

Text von Elke Leithner-Steiner

Das Licht der Lianenfrau - Weibliche Kraft leben - Malerei Ausdruck von  Emotion mit Licht, Farbe und Form. Acryl auf Leinwand, 70 x 100 cm. Titel: Heidi&Jodeling.
birgitneururer.com
Kunst von Birgit Neururer

Frau und Erde

Der heutige Abend gehört mir allein. Die Kinder übernachten auswärts und mein Mann trifft sich mit seinen Freunden.

So habe ich es mir richtig gemütlich gemacht. Auf der Veranda brennen Kerzen, der Tisch ist mit frischen Blumen geschmückt.

Es riecht noch immer nach dem köstlichen Bohneneintopf, den ich mir gekocht habe. Jetzt sitze ich bei einer Tasse Kaffee in meinem Schaukelstuhl und lausche ganz entspannt der Musik aus dem Radio. Ich wehre mich nicht, als ich merke, dass meine Aufmerksamkeit abzugleiten beginnt.

Und dann sehe ich vor mir ein verstörendes Bild: Eine stark frequentierte dreispurige Straße führt um einen Kreisverkehr, dessen Inselmitte mit bunten Blumen bepflanzt ist.

Ich höre den Autolärm. Ich rieche und sehe auch den Gestank der Abgase. Alles bewegt sich nervös vorwärts, kämpft um jeden Zentimeter und um jede Sekunde.

„Stressig“, denke ich, als plötzlich inmitten der Verkehrsinsel meine Lianenfrau auftaucht.

Wie eine Gallionsfigur steht sie da, umringt von der Bepflanzung und bildet mit ihrer lichtvollen Gestalt einen wunderlichen Kontrast zur hektischen, lärmvollen Umgebung.

Unsere Blicke treffen sich, und ich höre sie mit eindringlichem Ton sagen:

„Frauen hört auf, euch so oft in eure weibliche Energie einzukuscheln und den Männern diese laute, schnelle Welt zu überlassen!

Jetzt gilt es, auch dem Unangenehmen zu begegnen.

Schau, selbst hier wachsen die Blumen! Und das ist auch die Frau! Wie jede Blume, auch wie jede Frucht einfach da sind!

Vergesst nicht: Die Frau hat eine Entsprechung zur Erde. Und die Blumen ziehen sich nicht zurück, wenn es unbequem wird.

Also, hört auch ihr jetzt den Rückzug auf!“

Mit einem Ruck öffne ich meine Augen. Ich könnte schwören, dass die Stimme meiner Lianenfrau direkt aus dem Radio kam! Jetzt läuft wieder Musik.

Ich lehne mich zurück, um über ihre Worte nachzudenken, doch kaum habe ich meine Augen wieder geschlossen, tut sich eine gänzlich neue Szene auf.

Innere Welt

Sehr hoch oben in der Luft zeigt sich ein riesengroßes, weißes Nebelfeld. Die sprühfeine Feuchtigkeit ist angenehm und vitalisierend.

Zarte rosa und lila Töne, kaum erkennbar, färben sich streifenförmig in den weißen Nebel, als wären sie nur zeitweise zu Besuch. Alles verströmt eine feinsinnige und überirdische Atmosphäre.

Da tauchen aus dem Feld zahlreiche braune Holztüren auf. Es werden immer mehr. Sie erscheinen ungeordnet, mal da, mal dort. Mal weiter hinten, mal weiter vorne.

Auf einmal öffnen sich alle Holztüren gleichzeitig und heraus treten Frauengestalten in langen, fließenden Gewändern. Ihre Wesensart ist unverkennbar voller Freundlichkeit, Güte und Weisheit.

Sie lachen herzlich und rufen laut:

Hier bin ich und hier bleibe ich!

Dann ziehen sich die Holztüren wieder zurück und übrig bleibt eine große Anzahl von Frauen, die sich nun alle an den Händen haltend gekonnt zu einer großen Nautilus-Schnecke formieren.

Dabei bewegen sie sich leichtfüßig und wiederholen singend:

Hier bin ich und hier bleibe ich!

Als die Schneckenform gebildet ist, verstummt der Gesang plötzlich und weicht einer kraftvollen Stille.

Nach einiger Zeit beginnen die Frauen sich wieder zu bewegen, diesmal wellenartig von außen nach innen, wobei sie nacheinander ihre Hände lösen und auseinander eilen.

Im Moment ihrer Loslösung verwandeln sich die Frauengestalten in dunkelrote Rosenknospen. Als Nächstes wird die ganze Erdkugel sichtbar.

Und ganz so, als würde es Rosenknospen regnen, verteilen sich diese in der ganzen Welt, um als Rosen anzuwurzeln. Dabei sind sie nicht wählerisch.

Sie wachsen auch an unwirtlichen Orten wie zum Beispiel in Betonritzen, neben vielbefahrenen Straßen oder auf staubtrockenem Boden. 

Und dann öffnet sich wie auf Kommando eine Knospe nach der anderen und alle entfalten sie ihre wunderschönen Blüten.

Augenblicklich verströmt sich daraufhin ein intensiver Duft von Liebe und Weisheit über die ganze Erde.

Plötzlich ist Applaus zu hören. Zaghaft zuerst, dann rasch immer stärker. Es ist ein Willkommensapplaus!

Tatkräftige Hände klatschen vor Freude in die Luft. Denn sie wissen, dass diese neue Energie der weisen Sanftheit keine Gefahr, keine Konkurrenz darstellt, sondern eine immense Bereicherung ihrer eigenen Existenz.

Und darauf haben sie unbewusst schon lange gewartet …

Zurück in der Realität

Die Musik holt mich ins Wachbewusstsein zurück. Still lasse ich diese Geschichte in mir nachwirken. Ich weiß, dass mich die Frage noch länger beschäftigen wird:

„Wo und wann in meinem Leben bleibe ich nicht da? Wo und wann wird es mir zu unbequem und ziehe ich mich zurück?“

Viel später stehe ich immer noch nachdenklich auf, nehme meine leere Kaffeetasse und blase die Kerzen aus.

Erkenntnis

Diese Welt braucht jetzt die Frauen.

Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

Zum Anhören als YouTube Podcast – Das Licht der Lianenfrau

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