#31 Freier Wille

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Das Licht der Lianenfrau - Weibliche Kraft leben - Malerei Ausdruck von  Emotion mit Licht, Farbe und Form. Acryl auf Leinwand, 50x50 cm. 
Titel: Wasser&Göttin.
birgitneururer.com
Kunst von Birgit Neururer

Gejammer

Es ist später Nachmittag und nach dem Einkaufen gönne ich mir jetzt einen frisch gepressten, köstlichen Fruchtsaftcocktail in der kleinen Bar, die Freunde von mir betreiben.

Gerade eben hat es erneut einen Regenguss gegeben. Das Straßenpflaster dampft noch nach, während die Sonne wieder am Himmel scheint, als wäre nichts gewesen.

Ich stehe am Tresen und unterhalte mich vergnüglich mit meiner hinter der Bar stehenden Freundin. Sie hat gut Zeit, denn es sind nicht viele Gäste da.

Ich bin guter Laune. Die Arbeit ist getan, alle Einkäufe sind erledigt. Ich freue mich auf einen unbeschwerten Tagesausklang.

Da öffnet sich die Tür und herein kommt eine kleine, dickliche Frau. Erschöpft lässt sie sich in einen Stuhl an einem der freien Tische fallen. Mit lauter Stimme bestellt sie für jeden hörbar eine Tasse Kaffee.

Als meine Freundin ihr das Getränk serviert, beginnt die Frau ein Gespräch, in welches bald alle Anwesenden miteinbezogen sind.

Die Frau führt eine einzige Klage, wie schlecht sie rundum behandelt wird, dass es keinen Anstand unter den Menschen mehr gäbe und schließlich der Zustand der Straßen eine Zumutung sei. Jetzt hoffe sie, zumindest einen anständigen Kaffee trinken zu können.

Die anderen stimmen mit ein und berichten von ähnlichen Erfahrungen, bis eine rege Unterhaltung im Gange ist. Nur ich beteilige mich nicht daran und höre zwangsläufig zu.

Unbemerkt gesellt sich irgendwann eine weibliche Gestalt neben mich. Lässig an den Tresen gelehnt und zu mir gewandt steht sie abwartend da.

Wie bin ich überrascht, sie hier anzutreffen! Es ist meine Innere, lichtvolle Begleiterin, die ich meine Lianenfrau nenne. Was hat sie vor?

Sie blickt zuerst zur kleinen, dicklichen Frau, dann direkt in meine Augen und sagt:

„Die Erde ruft euch Frauen jetzt empor: Werde endlich du! Das Drama von Gestern hat keinen Belang mehr! Das gilt es jetzt hinter dir zu lassen.

Schau nur mehr auf deine Freudentränen, nicht mehr auf deine Dramatränen.

Das ist das Gejammere von Gestern und hält nur auf!“

Dann klopft sie laut auf das Holz und fordert alle Anwesenden auf, ihre Geschichte anzuhören.

Während sie erzählt, fällt mir auf, dass die Leute alle unverwandt auf mich starren.

Ihre Geschichte geht so:

Innere Welt

Das Spielfeld des Lebens war unüberschaubar groß. Es bestand aus vielen Löchern, wodurch es dem Muster eines Emmentaler-Käses glich.

Es gab größere und kleinere Löcher und bei genauerer Betrachtung waren diese Löcher Pfützen mit schmutzigem Wasser gefüllt. Der Boden zwischen den Pfützen bestand aus hellem, festem Sand.

Es gab mehrere Spielgruppen. Jede hatte ihre eigene Spielanleitung. Eine davon lautete: Sich immer freudvoller über das Spielfeld zu bewegen.

Wobei die Bewegungsrichtung frei wählbar war. Das Ziel jedoch war vorgegeben. Es gab keine Gewinner:innen und keine Verlierer:innen. Jede Figur spielte für oder gegen sich. Auch gab es keine Zeitvorgabe.

Die freudvolle Fortbewegung war so beglückend und erstrebenswert, dass es viele Spielfiguren auf dem Spielfeld versuchten.

Dabei erkannten nur einige wenige, dass der Regen über dem Spielfeld nachließ, dass die Sonne öfter und länger schien, je mehr Spielfiguren sich mit einem Gefühl der Freude darin bewegten.

Ein lautes Seufzen machte auf eine weibliche Spielfigur aufmerksam, die mit beiden Füßen bis zu den Knöcheln in einer dieser Wasserpfützen stand.

Verdrießlich blickte sie an sich herunter. Zumindest das Wasser war warm, fast angenehm.

So konnte sie gut hier verweilen. Sie war auf ihrem Weg schon oft in einer Pfütze gelandet. Diese Position war ihr bekannt.

Obwohl sich dann jedes Mal eine gewisse Schwere in ihr breit machte und sie in ihrer Fortbewegung lähmte, musste sie sich doch auch eingestehen, dass sie sich nicht ungern in dieser warmen Vertrautheit suhlte.

Verstohlen blickte sie sich um und entdeckte eine andere, weibliche Spielfigur. Diese hatte einen auffallend wachen Blick und ein verschmitztes Lächeln im Gesicht.

Sie schien die Wasserpfützen zwar zu sehen, war jedoch bedacht darauf, sie auf ihrem Weg auszulassen. Bestimmt kannte sie ihre energetische, wenig hilfreiche Wirkung.

So bewegte sie sich geschickt und flink voran. Die Freude, ihren Weg zu gehen, war ihr regelrecht anzusehen.

Da traf die Frau eine Entscheidung! So wollte sie es ab sofort auch machen!

Sie stieg aus der Wasserpfütze in den hellen Sand und setzte ihren Weg achtsamer und aufmerksamer fort als zuvor. Zwar landete sie hin und wieder doch in einer Pfütze, aber sie verweilte dann nicht mehr darin, sondern stieg rasch wieder heraus.

Mit der Zeit wurde auch sie immer geschickter und die Freude in ihr größer.

Und so regnete es im Spielfeld des Lebens wieder weniger und die Sonne schien etwas häufiger …

Zurück in der Realität

Kaum ist die Geschichte zu Ende erzählt, beeilt sich die kleine Frau zu bezahlen und mit ernster Miene die Bar zu verlassen.

Ich blicke ihr hinterher.

Hektisch steigt sie auf ihr Fahrrad und übersieht beim Losfahren eine große Wasserpfütze. Das Wasser spritzt ihr bis in das Gesicht …

Erkenntnis

Wer will, der kann.

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

Zum Anhören als YouTube Podcast – Das Licht der Lianenfrau

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