#41 Geduld

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Das Licht der Lianenfrau - Weibliche Kraft leben - Malerei Ausdruck von  Emotion mit Licht, Farbe und Form. Acryl auf Leinwand, 40x120 cm. 
Titel: Energie & Feld
von birgitneururer.com
Kunst von Birgit Neururer

Übergangsphase

Es ist alles wie immer am Wasserfall. Das üppige Grün, das klare, smaragdgrüne Wasser, die siegessicher durchbrechenden Lichtstrahlen, die friedliche Atmosphäre. Und doch ist alles anders.

Denn die letzten Male ist sie nicht mehr gekommen, meine Lianenfrau.

Durch unsere vielen Treffen hier, habe ich meine mir mittlerweile so vertraut gewordene Innere Begleiterin insgeheim immer erwartet.

So war ich jedes Mal enttäuscht und irritiert, dass sie sich nicht gezeigt hat. Eine stärker werdende Unruhe steigt in Begleitung von hartnäckig nagenden Gedanken in mir hoch: Was ist jetzt los? War es das? Geht es nicht mehr weiter? Wieso kommt sie nicht? Liegt es etwa an mir?

Ich sitze also wieder am Wasserfall, lasse meine Füße im Wasser baumeln, die Arme stützend auf die warmen Steine gelegt und halte mein Gesicht mit geschlossenen Augen der Sonne entgegen.

Nichts deutet auf mein inneres Unbehagen im Bauch hin, während von außen die wohlbekannten kreischenden und zirpenden Laute des Regenwaldes an mein Ohr dringen.

Wenig später höre ich ein Plätschern. Ich öffne meine Augen und erblicke zuerst zwei weitere sonnengebräunte Beine im Wasser neben mir. Ich wende meinen Blick zur Seite – und dann sehe ich sie!

Mein Herz macht vor lauter Freude einen kräftigen Sprung! Ich blicke in das freundliche Gesicht meiner Lianenfrau, und schon höre ich sie sagen:

„Liebe Benita! Auch wenn sich diese Ruhezeit anfühlt, als würde sie – und du mit ihr – stillstehen, das stimmt so nicht! Das ist jetzt keine schlechte Phase, in der du bist, sondern eine gute, die generierend Energie zu dir bringt.

Es ist ein Übergang, in welchem du nicht mehr im Dunkeln, aber noch nicht im Licht bist. Und diese Zwischenzeit muss geliebt, gewürdigt sein, damit du den nächsten Schritt auf deinem Entwicklungsweg machen kannst. Also höre auf zu zweifeln!

Alles, was du noch an Ungeduld hast, soll zu Geduld werden. Und die Geduld kann dann in einen freudigen Zustand der Erwartungslosigkeit übergehen. So ist es gedacht!“

Leichtfüßig hüpft sie auf und zieht mich dabei hoch. Gemeinsam gehen wir zu den nahen Bäumen hinüber. Sie reicht mir eine Liane; wir schwingen weit nach vorne …

Innere Welt

… und im nächsten Augenblick befinden wir uns mitten in einem Bekleidungsgeschäft wieder. Für alle anwesenden Menschen bleiben wir beide unsichtbar.

Meine Lianenfrau führt mich zielstrebig zur Umkleidekabine und zeigt mir folgende Szene:

Eine Frau hat sich mehrere Kleider zur Anprobe mitgenommen. Aber die Sachen passen nicht. So reicht sie alles einer nahen Verkäuferin durch den Vorhang und bleibt, nur mit Unterwäsche bekleidet, in der Umkleidekabine.

Die Verkäuferin eilt davon, um neue, andere Kleider zu holen. Doch sie kommt und kommt nicht zurück. Da die Kundin nicht mehr in ihr bisheriges Gewand schlüpfen möchte, um rauszugehen, wartet sie ungeduldig und fragt sich: „Was soll das hier? Wieso kommt sie nicht?“

„Hadern bringt jetzt gar nichts“, flüstert mir meine Lianenfrau ins Ohr. „Auch wenn sie ungeduldig am Vorhang zieht, sodass er fast herunterbricht oder ständig nach der Verkäuferin ruft oder gar genervt wieder in ihre alten Kleider schlüpft – das macht alles keinen Sinn.“, fährt sie fort.

Zu meiner Verwunderung hat diese leisen Sätze auch die Frau in der Kabine gehört und die Botschaft sogleich verstanden. Mit einem tiefen Atemzug atmet sie all ihre Genervtheit und Ungeduld aus.

Dann späht sie mit ihrem Kopf aus der Umkleidekabine hervor und beobachtet nun tatsächlich ruhig wartend das Treiben im Geschäft.

Ich folge der Lianenfrau bis zur Verkäuferin. Achtsam sucht diese die richtige Größe eines bestimmten Kleides. „Sie bringt ihr das Beste! Hadern nützt jetzt gar nichts.“, wiederholt die Lianenfrau beharrlich.

Wir begleiten die Verkäuferin zurück zur Umkleidekabine. Sie reicht der wartenden Frau das Kleid, die es dankend entgegennimmt und hinter dem Vorhang verschwindet.

Gleich darauf fliegt der Vorhang zur Seite und eine über das ganze Gesicht strahlende Frau tritt im neuen Kleid vor den großen Spiegel.

Es passt wie für sie gemacht! Immer wieder dreht sich die Frau langsam von einer Seite zur anderen. Sie fühlt sich wunderschön – wie eine Göttin! Andere Kundinnnen werfen ihr unverhohlen bewundernde Blicke zu.

Da begreift die Frau plötzlich, dass einzig die Tiefe ihrer Seele die Quelle ihrer Schönheit ist. Und dass dieses Kleid ihre Schönheit perfekt widerspiegelt.

Das ist für sie ein sehr berührender Moment.

Zurück in der Realität

Ich blicke auf meine Füße, die tänzelnd das Wasser bewegen. Der Platz neben mir ist leer.

Doch auch ich habe verstanden: Das ist jetzt also eine Übergangsphase. Sie ist Teil meines Entwicklungsprozesses in mein authentisches Sein.

Ich ergebe mich diesem Gedanken widerstandslos und beschließe, der Zeit ihre Zeit zu lassen.

In meinem Kopf ist viel mehr Klarheit und in meinem Bauch schlummert ein beruhigendes Gefühl der Zuversicht, als ich wieder die Sonne im Gesicht spüre.  

Erkenntnis

Alles hat seine rechte Zeit.

Idee und Text von Elke Leithner-Steiner

Kunst von Birgit Neururer

#01 zum Anfang der Geschichte

Zum Anhören im YouTube Podcast – Das Licht der Lianenfrau

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